Immaterielles Kulturerbe
Die Handwerksmüllerei in Wind- und Wassermühlen als Immaterielles Kulturerbe
Die Handwerksmüllerei in Wind- und Wassermühlen ist in Deutschland als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Anfang Dezember 2018 wurde die traditionelle Müllerei mit ihren vor- und frühindustriellen mühlentechnischen Kenntnissen gemeinsam mit 17 weiteren Kulturformen in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren die Bedeutung der Handwerksmüllerei für den Erhalt des traditionellen Müllerhandwerks und die engagierte Weitergabe des spezifischen handwerklichen Wissens und Könnens. Besonders gewürdigt wurden dabei die Ausbildungs- und Vermittlungsmaßnahmen sowie das Zusammenspiel von aktiver Kulturpflege und denkmalpflegerischen Aspekten.
Was bedeutet „Immaterielles Kulturerbe“?
Der international anerkannte Titel „Immaterielles Kulturerbe der Menschheit” ist nicht mit einer finanziellen Förderung durch die UNESCO verbunden. Die Aufnahme einer kulturellen Ausdrucksform in ein nationales Verzeichnis – wie im Fall der Handwerksmüllerei – oder in eine der internationalen UNESCO-Listen stärkt vielmehr den Respekt und die Wertschätzung gegenüber den beteiligten Gemeinschaften, Gruppen und Individuen sowie ihrem kulturellen Erbe.
Eine Anerkennung durch die UNESCO kann darüber hinaus dazu beitragen, kulturelle Ausdrucksformen durch kulturpolitische Maßnahmen langfristig zu schützen. Sie ist zudem für den Denkmalschutz und den Tourismus von Bedeutung, da sie den Kulturtourismus fördert und positive Impulse für die lokale, regionale und nationale Wirtschaft setzen kann.
Immaterielles Kulturerbe stärkt das Zugehörigkeitsgefühl innerhalb einer Gemeinschaft. Die jeweilige kulturelle Ausdrucksform – in diesem Fall die Handwerksmüllerei – vermittelt Kontinuität und Identität und trägt zum sozialen Zusammenhalt bei. Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist die Bewahrung traditioneller und zugleich zeitgenössischer kultureller Ausdrucksformen eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.
Neben ihrer sozialen hat die Handwerksmüllerei auch eine wirtschaftliche Bedeutung: Das über Generationen weitergegebene Wissen und die damit verbundenen handwerklichen Fähigkeiten stellen eine wertvolle kulturelle Ressource dar. Gleichzeitig geht es um die konkreten Produkte dieses Wissens, etwa handwerklich hergestellte Mehle, Schrote und andere Mühlenprodukte.
Weitere Informationen zum Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes finden sich unter www.unesco.de.
Müller früher und heute
Der Beruf des Müllers zählt zu den ältesten der Welt. Heute wird das traditionelle Müllerhandwerk oft als körperlich anspruchsvoll und entbehrungsreich wahrgenommen. Im 18. und 19. Jahrhundert galten Mühlen hingegen oft als hochmoderne Verarbeitungsstätten, die natürliche Kräfte effizient nutzten. Es sind über 180 verschiedene Nutzungsarten bekannt, in denen beispielsweise Mahl-, Öl-, Säge- oder Schleifmüller tätig waren. Diese Produktionsstätten legten wichtige Grundlagen für die industrielle Revolution. Bis heute prägen Wind- und Wassermühlen vielerorts das Landschaftsbild Deutschlands.
Der Beruf des Müllers wird heute im Rahmen des dualen Ausbildungssystems erlernt. An Müllerschulen erwerben Auszubildende vor allem Kenntnisse für die Arbeit in industriellen Betrieben. Das Arbeiten mit Wind- und Wasserkraft sowie das traditionelle Mahlverfahren mit Mühlsteinen gehören jedoch nicht mehr zum regulären Lehrplan. Diese Techniken werden nur noch in wenigen Handwerksmühlen vermittelt, deren Betreiber sich der Tradition verpflichtet fühlen. Bundesweit nutzen heute nur noch etwa 50 der ehemals rund 50.000 Mühlen Wind- oder Wasserkraft als Antrieb und halten damit das traditionelle Müllerhandwerk am Leben.
Wind- und Wassermühlen in Deutschland
Neben den professionell betriebenen Mühlen gibt es eine wachsende Zahl von Wind- und Wassermühlen, die auf semiprofessioneller oder ehrenamtlicher Basis erhalten werden, beispielsweise im Museumsbetrieb. Auf diese Weise tragen sie dazu bei, das Müllerhandwerk in die Zukunft zu führen. Einzelpersonen und Vereine engagieren sich beispielsweise in Ausbildungskursen, um den richtigen Umgang mit Wind- und Wassermühlen sowie die Ausübung der traditionellen Müllerei zu vermitteln.
Nutzung der Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe
Auf Initiative der Müllergilde e. V. wurde das traditionelle Müllerhandwerk, wie es insbesondere in Wind- und Wassermühlen praktiziert wird, im Dezember 2018 in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Diese Auszeichnung verleiht dem Müllerhandwerk eine hohe gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung – unabhängig davon, ob es professionell oder ehrenamtlich ausgeübt wird. Gemeinsam mit der Deutschen UNESCO-Kommission hat die Müllergilde e.V. Grundlagen erarbeitet, um die Anerkennung der „Handwerksmüllerei in Wind- oder Wassermühlen“ als Immaterielles Kulturerbe sinnvoll zu nutzen und nachhaltig weiterzuentwickeln.
Ziel ist es, das traditionelle Müllerhandwerk als lebendiges kulturelles Erbe zu bewahren und in die Zukunft zu tragen. Für die Nutzung der Anerkennung werden folgende Kriterien zugrunde gelegt:
- Der Antrieb einer Mühle bzw. ihrer Verarbeitungsmaschinen erfolgt durch Wind- oder Wasserkraft, unabhängig von ihrer Nutzungsform (z. B. Getreide-, Öl-, Senf- oder Sägemühlen).
- Der Maschinenantrieb erfolgt gänzlich oder teilweise über Transmissionstriebe.
- Es werden regelmäßig verkehrsfähige Mühlenerzeugnisse hergestellt.
Mühlenbetreiber und Vereine, deren Tätigkeit diesen Kriterien entspricht, können die Nutzung der Anerkennung und des Logos bei der Müllergilde e. V. beantragen.
Bei weiteren Fragen und zur Anforderung der erforderlichen Unterlagen wenden Sie sich an den Vorstand der Müllergilde e. V. (Telefon: 04131/12206 oder per E-Mail: in**@**********de.de).
Anerkannte Mühlen
Brandenburg
Historische Mühle von Sanssouci (14469 Potsdam)
www.historische-muehle-potsdam.de
Holländermühle Straupitz (15913 Straupitz)
www.windmuehle-straupitz.de
Kanow Mühle Spreewald (15938 Golßen OT Sagritz)
www.kanow-muehle.de
Motormühle Kränzlin (16818 Märkisch Linden OT Kränzlin)
www.motormühle-kränzlin.de
Mühle Greiffenberg (16278 Angermünde OT Greiffenberg)
www.muehle-greiffenberg.de
Paulicks Mühle (03096 Burg OT Müschen)
www.paulicks-muehle.eu
Berlin
Bockwindmühle Berlin-Marzahn (12685 Berlin)
www.marzahner-muehle.de
Britzer Mühle (12349 Berlin)
www.britzer-muellerei.de
