Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg

Wassermühle Neudöbern

Die Historische Mühle

Die hügelige Landschaft eignete sich besonders als Windmühlenstandort. 1737 wurde mit dem Bau einer Bockwindmühle begonnen. Damit ist der Mühlenstandort der Historischen Mühle sechs Jahre älter als das Schloss Sanssouci. 

Die Historische Mühle von Sanssouci

Geschichte der Mühle

Die erste Bockwindmühle an diesem Standort ließ der Müller Johann Wilhelm Graevenitz 1737 bauen, nachdem er ein Jahr zuvor Friedrich Wilhelm I. um eine Genehmigung bat. Der Mühlenstandort am Bornstedter Höhenzug wurde ihm zugewiesen. Graevenitz musste jährlich 40 Taler und zusätzlich 10 Taler an das Militärwaisenhaus als Grundstückseigentümer zahlen. In unmittelbarer Nähe des späteren Schlosses Sanssouci befanden im 18. Jahrhunderts sieben der damals 21 Mühlen, die die 15.500 Einwohner Potsdams versorgten.

Mehrfach wechselten die Besitzer. 1753 kaufte der Müller Kalatz für 800 Taler die Mühle, aber er war nicht besonders erfolgreich. Neun Jahr später übernahm Carl-Friedrich Vogel die Mühle. Wie seine Vorgänger überhäufte er Friedrich II. mit Klagen, bis dieser die Pachtsumme erließ. Zeitgleich verpachtete Müller Vogel die Mühle an Müller Hering weiter. Erst im Jahre 1786 übernahm Vogel sie wieder selbst.

Mittlerweile war die Bockwindmühle baufällig und die Parkbäume hielten den Wind ab. Friedrich Wilhelm II. ließ daher 1791 an gleicher Stelle die höhere Holländermühle für 3.000 Taler errichten. Der Hofzimmermeister Cornelius Wilhelm van den Bosch erhielt den Auftrag. Die Witwe Vogel betrieb die Mühle bis in die 1820er Jahre.

Drei Jahre nachdem der Mühlenbetrieb endgültig eingestellt wurde, war die Historische Mühle ab 1861 als Museum zu besichtigen.

In den letzten Kriegstagen im April 1945 brannte sie ab. Zwischen 1983 und 1993 wurde die Mühle wieder aufgebaut.

 

 

 

                                                                                          Historische Mühle von Sanssouci, fotografiert von Max Baur.

Historische Mühle fotografiert von Max Baur 1936.

Die Legende

Die Legende vom Streit zwischen dem Müller von Sanssouci und Friedrich II. war schon im 18. Jahrhundert über das Land hinaus bekannt. Ihr zufolge störte den König das ständige Geklapper der nahen Mühle in seinem Schloss Sanssouci. Er wollte dem Müller die Mühle abkaufen. Als der Müller dies ablehnte, entgegnete der König zornig: „Weiß Er denn nicht, dass ich ihm kraft meiner königlichen Macht die Mühle wegnehmen kann, ohne auch nur einen Groschen dafür zu bezahlen?“ Der Müller habe unerschrocken geantwortet: „Gewiß, Euer Majestät, das könnten Euer Majestät wohl tun, wenn es – mit Verlaub gesagt! – nicht das Kammergericht in Berlin gäbe!“ Der König nahm von seiner Absicht abstand.

Die Legende soll zeigen, dass sich Friedrich II. an die Gesetze gebunden fühlte, im Unterschied zu anderen absolutistischen Herrschern. Tatsächlich störte den König die Mühle keineswegs. Er war der Meinung, dass sie „… dem Schloß eine Zierde sey“. Im Gegenteil, es war der Müller, der beantragte, den Mühlenstandort aufzugeben, da er nicht genug Wind habe. Dies erlaubte ihm der König nicht, die Mühle sollte weiterhin sein Schloss zieren.

 

Alte Postkarte mit der Legende des Müllers von Sanssouci

Alte Postkarte mit der Legende des Müllers Grarvenitz und König Friedrich II.

Die Mühle heute

Für den Wiederaufbau der Mühle ab 1983 standen nur wenige Unterlagen zur Verfügung. Die Baupläne waren verloren gegangen. Als Vorlage für die Außengestaltung dienten eine Zeichnung des Hochbauamtes von 1935 und viele Fotos. Sie zeigen die Mühle in dem Zustand um 1900. Die neue Innengestaltung mit Betonböden und Wendeltreppe entspricht heute in keinerlei Weise der früheren Form.

Die Historische Mühle hat eine Gesamthöhe von 35,45 m. Die Galerie befindet sich in einer Höhe von 10,85 m. Das Flügelkreuz hat einen Durchmesser von 24 m. Die Flügel wiegen zusammen 2 t, die Kappe mit Flügelwelle und Wellkopf 20 t und die Königswelle 5 t. Das Gebäude erstreckt sich über sieben Etagen. In den oberen drei ist die eigentliche Mahlmühle eingerichtet. Sie besteht aus dem Mehlboden, dem darüber liegenden Steinboden und der Kappe. In dieser befindet sich die Übersetzung der Flügel auf die Königswelle, die den Mahlgang und alle weiteren Maschinen antreibt. In der Kappe befindet sich auch die Bremse der Mühle. Die Mühlsteine, mit denen heute das Getreide zerkleinert wird, bestehen aus Sandstein.

Historische Mühle von Sanssouci nach dem Wiederaufbau 1993
Historische Mühle von Sanssouci nach dem Wiederaufbau 1993

Der Mahlgang

Er besteht aus mehreren Stufen. Das Korn wird in den Trichter geschüttet. Von dort befördert es der Rüttelschuh nach und nach zwischen die Steine. In diese sind Furchen und Mahlbalken eingeschlagen. Die Mahlbalken zerkleinern (schroten) das Korn, durch die Furchen wird ihm kühlende Luft zugeführt. Das Mahlgut wird in den Furchen nach außen gedrückt und fällt durch ein Laufrohr ein Boden tiefer und gelangt in den Sichter. Aus dem Schrot wird durch Sieben Mehl und Grieß abgetrennt. Die verbleibenden groben Schrotstücke werden anschließend weiter zerkleinert und Mehl sowie Grieß jeweils ausgesiebt. Dieser Vorgang wiederholt sich ca. 4 – 5 Mal. Nach dem Schroten wird zwischen den Mühlsteinen der Grieß ausgemahlen, d.h. zerkleinert. Nach dem Zerkleinern wird das gewonnene Mehl im Sichter ausgesiebt und in einem Sack aufgefangen. Dieser Vorgang wiederholt sich ca. 10 – 12 Mal. Die ausgesiebten Mehle werden zum Schluss in einer Mischmaschine gemischt und in Säcke abgefüllt. Neben dem Mehl als Endprodukt bleibt die Kleie (Schalen des Getreidekorns) übrig.

Die Mühle arbeitet seit 2011 als biozertifizierter Betrieb und wird regelmäßig vom zuständigen Lebensmittelüberwachungsamt kontrolliert. Verarbeitet werden die Brotgetreidearten Bio-Roggen, Bio-Weizen und Bio-Dinkel, die lebensmittelfähig gereinigt von anderen Mühlenbetrieben eingekauft werden. Bio-Roggen- und Bio-Dinkelprodukte erhält zum größten Teil die Bäckerei Frank Fahland.

Das aktuelle Bio-Zertifikat können Sie hier einsehen.

Kontrollstelle: ABCERT AG, Esslingen
Nummer der Kontrollstelle: DE-ÖKO-006
Kontrollnummer: DE-BB-006-19334-B

Mehle und Grieße gibt es aber auch in unterschiedlichen Abpackungen im Mühlenladen der Historischen Mühle.

Produktliste

Mehlboden der Historischen Mühle
Mehlboden der Historischen Mühle

Standort und Erreichbarkeit

Maulbeerallee 5
14469 Potsdam

Die Holländerwindmühle befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Schloss Sanssouci,
den Neuen Kammern und dem Besucherzentrum der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten.

Bus 695, X15 ab Potsdam Hbf. bis Hst. Schloss Sanssouci/Besucherzentrum.
Die Haltestelle befindet sich direkt unterhalb der Historischen Mühle.

Öffnungszeiten

April – Oktober: täglich 10.00 – 18.00 Uhr, letzter Einlass 17.30 Uhr

November, Januar – März: Sa./So. 10.00 – 16.00 Uhr, letzter Einlass 15.45 Uhr

Dezember geschlossen

Führungen außerhalb der regulären Öffnungszeiten nach Vereinbarung.

Kontaktdaten

Eintrittspreise

Ohne Führung
  • Erwachsene
    5,00 EUR
  • Kinder (7-18 Jahre), Schüler:innen, Studierende, Auszubildende, Bufdis, Arbeitslose, Meschen mit Behinderung ab GdB 50%
    3,00 EUR
    Ermäßigter Eintritt mit der Berlin WelcomCard, dem Familienpass Brandenburg und dem Familienpass Berlin
  • Kinder 6 - 14 Jahre, ALG II - EmpängerInnen ohne Führung
    2,00 EUR
  • Kinder bis 6 Jahre, Behinderte GdB 100% ohne Führung
    freier Eintritt
  • Familienkarte (2 Erwachsene und den dazugehörigen Kindern)
    15,00 EUR
Mit Führung
Kindergarten, Vorschule, Schulklassen, Hort und andere Bildungseinrichtungen
  • Kinder
    3,00 EUR
    2 Begleitpersonen frei, je weitere 5,00 Euro
    Für eine Anfrage in Bezug auf eine museumspädagogische Führung nutzen Sie bitte unsere Formulare. Dazu klicken Sie bitte hier.
Allgemeine Mühlenführungen
  • Führungspauschale
    30,00 EUR
    während der regulären Öffnungszeiten
  • Führungspauschale
    40,00 EUR
    außerhalb der regulären Öffnungszeiten
  • jeweils zzgl. des regulären Eintrittpreises.

SoundWerk - Historische Mühle von Sanssouci

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